First impressions in Amman

First impressions in Amman
some thoughts I had a few weeks after my arrival in Amman – in German though

Als ich vor zwei, drei Monaten meinen Freunden und Verwandten mitteilte,  dass mein Freiwilligendienst mich nach Jordanien führen würde, erhielt ich sehr gemischte Reaktionen. Es wussten zwar bereits alle schon seit längerem, dass ich einen Europäischen Freiwilligendienst absolvieren wollte, zunächst sah es allerdings so aus, als würde es Polen, Spanien oder Italien werden. Alles Länder, die man kennt, über die man mehr oder weniger gut Bescheid weiss, vielleicht schon selber einmal dort war. Jordanien allerdings – da schauten sie mich alle mit grossen Augen an. Von unwissend über neugierig, erfreut bis hin zu sehr skeptisch war wirklich alles an Reaktionen dabei.

Ich muss allerdings zugeben: so ganz viel wusste ich über Jordanien auch nicht wirklich. Ich wusste, es liegt irgendwo in der Nähe von Syrien, Israel und Palästina, und ich wusste, es gibt einen König. Das war grob gesagt auch erstmal schon alles. Als ich dann anfing zu recherchieren wusste ich natürlich bald mehr: Amtssprache logischerweise Arabisch, Hauptstadt Amman, ein Grossteil der Einwohner sind Flüchtlinge aus z.B. Palästina oder dem Irak oder deren Nachfahren, der Islam ist Staatsreligion,  das Land besteht zu einem grossen Teil aus Wüste und fast die Hälfte aller Einwohner leben in der Hauptstadt. Das waren natürlich alles nur Fakten, die mir kaum erklärten, wie das Leben dort für mich so aussehen würde, aber dennoch freute ich mich sehr und platzte fast vor Neugier.

Da ich schon immer sehr an Kulturen, Sprachen und Religionen interessiert war, schien dies eine unglaubliche Möglichkeit zu sein, ein so anderes, und für mich fremdes, neues Land kennenzulernen. Auch das Projekt, bzw. die Organisation, in der ich arbeiten würde, sagte mir sehr zu, da diese sich für die Jugend in arabischen Ländern einsetzt, und unfassbar viele Initiativen und Projekte startet, die bei vielen jungen Leuten in dieser Region wirklich etwas bewegen. Zusammengefasst sah ich also meiner Zeit als Freiwillige in Amman mit großer Vorfreude entgegen, und war sehr dankbar, dass mir das alles ermöglicht wurde. Ich erhoffte mir von diesen neun Monaten, viele neue Kontakte zu knüpfen, die Sprache einigermaßen zu beherrschen, eine neue Kultur kennenzulernen und viel über diese und vor allem auch über den Islam zu lernen. Eine grosse Motivation von mir war auch die aktuelle Situation in Deutschland. Die vielen Flüchtlinge aus Syrien und anderen arabischen Ländern, die Deutschland im vergangenen Jahr aufgenommen hat, haben viele Kontroversen ausgelöst. Meiner Meinung nach entsteht Angst  vor dem Unbekannten größtenteils aus Unwissen. Ich wollte nicht mehr unwissend sein und ich wollte aus erster Hand erfahren, wie es in einem islamischen Land wirklich ist, auch um in Zukunft qualifiziertere Gespräche zu diesem Thema fuehren zu koennen. Von meinem Projekt und meiner konkreten Tätigkeit hier erwartete ich wiederum, mir ein professionelles Arbeiten im Büro anzueignen, zu lernen, wie eine eine Non-Profit Organisation funktioniert und auch viel neues über Kommunikation, Management und Organisation und Planung.

Dennoch hatte ich natürlich auch Ängste, solche, die wahrscheinlich jeder, der für eine längere Zeit ins Ausland geht, mit mir teilt. Die Angst, alleine zu sein, als ich erfuhr, dass ich erstmal alleine wohnen würde. Die Angst, in der fremden Kultur nicht zu bestehen, die Angst, die Stadt nicht zu mögen, oder die Wohnung, oder die Arbeit, und und und. Aber ich denke, dass ist mehr als normal. Mit ijgd Berlin hatte ich ein zweitägiges Vorbereitungsseminar, da war zwar noch nicht klar, dass ich am Ende mit ijgd Magdeburg nach Jordanien gehen würde, aber es hat mir doch sehr geholfen im Bezug auf Konfliktlösung, Kommunikation, Zusammenleben und vielem mehr. Kurz vor meiner Ausreise bin ich dann noch nach Magdeburg gefahren und habe alle wichtigen Sachen, an die man noch so denken musste, mit Marta besprochen. Auch dieser Tag war sehr hilfreich für mich und bedeutete mir vor allem eines: jetzt wird es ernst.

Eine Woche später war es dann auch soweit: ich war in Amman angekommen. Viele, viele Eindrücke erwarteten mich in den ersten paar Tagen. Das Erste, was ich feststellte: Ist ja ganz normal hier!

Mein Kollege holte mich vom Flughafen ab und brachte mich zu meinem neuen Zuhause, indem ich vorerst auch alleine wohnen sollte. Unterwegs konnte ich ein paar erste Blicke auf die Stadt erhaschen, und was mir dabei, und auch schon zuvor beim Blick aus dem Flugzeug während des Landeanflugs auffiel, war, dass alles – die ganze Stadt – in ganz andere Farben gehüllt war, als ich es von Deutschland gewohnt bin. Alles ist sandfarben, alle Gebäude, Brücken und irgendwie sogar die Straßen, und die Straßenlaternen und Lichter der Stadt sind eher orange als weiß.

In den nächsten Tagen (es war Wochenende) zeigte man mir ein wenig die Stadt. Das war ein sehr schöner Einstieg, und was ich gleich bemerkte, war, dass ich hier gar nicht so auffalle, wie man denken würde, und dass mich, gerade in belaufeneren Orten, keiner auch nur eines Blickes würdigte. An dieser Stelle sollte ich zunächst mit dem Vorurteil aufräumen, alle Frauen würden hier Hijab, ein Kopftuch tragen. Die Mehrheit trägt es, klar, macht ja auch Sinn in einem muslimischen Land, aber bei Weitem nicht alle, und man fällt als nicht-Kopftuch-Trägerin überhaupt nicht auf. Und auch meine hellen Haare zogen keine Blicke auf sich, zumindest nicht so, wie ich gedacht hätte. Irgendwie war alles viel entspannter, als ich es mir wahrscheinlich unbewusst vorgestellt hatte, und das war doch sehr erleichternd. Auch der Umgang mit anderen Menschen unterscheidet sich nicht großartig davon, wie es in Deutschland ist. Was mir allerdings aufgefallen ist, ist, dass man als Frau schon anders wahrgenommen wird, als in Deutschland, aber gar nicht auf eine schlechte Art und Weise. Sondern eher so, dass man mehr zwischen Männern und Frauen unterscheidet, und Frauen im Alltag respektvoller behandelt werden. Zum Beispiel würde ein Mann hier eher aufstehen, um einer Frau Platz zu machen, oder einen Schritt zur Seite gehen, um ihr nicht zu nahe zu kommen, etc. Dies hab ich alles als sehr positiv wahrgenommen.

Des Weiteren ist mir aufgefallen: Araber sind die Könige des Smalltalks. Immer wird gefragt, woher du kommst, was du machst, wie es dir geht, und vor allem wurde mir klar, wie komplex die arabische Sprache ist, und vor allem auch poetisch. Zu jedem Gruß oder zu jeder Floskel gibt es genau eine spezifische Antwort, die meistens zugleich sehr viel Respekt und Hingabe ausdrückt, außerdem ist das Meiste im Vergleich zum deutschen Alltagston sehr viel höflicher. Wörter wie Güte, Segen, Erlaubnis, etc. kommen in fast jedem Satz vor.

Dennoch gibt es natürlich auch ein paar Dinge, die mich ein wenig stören, wie das eben so ist, wenn man in ein fremdes Land kommt. Bei mir ist dies zum einen, dass überall, wirklich überall geraucht wird (selbst Taxifahrer rauchen während der Fahrt) und dass die Luft in der Stadt extrem schlecht ist, da es kaum öffentliche Verkehrsmittel gibt und wirklich jeder Auto fährt, was auch die anstrengende Verkehrslage begründet. Als offensichtlicher Ausländer wird man auch des Öfteren mal ein wenig “verarscht”, was die Preise angeht, aber mittlerweile weiß ich zumindest im Taxi, was ich den Fahrern dann sagen kann, und wie ich klar mache, dass sie das Taxameter einschalten sollen.

Insgesamt gefällt mir das alltägliche Leben hier aber wirklich sehr, sehr gut.

Interessant ist auch, dass es unglaublich viele Europäer (vor allem Deutsche) gibt, die hier studieren, sich ebenfalls freiwillig engagieren oder Ähnliches machen. Und alle, gerade die Jungen Leute (und davon gibt es vieeele, viele hier, viel mehr als in Deutschland prozentual gesehen) sind unglaublich offen, aktiv und freundlich, sodass meine anfängliche Angst, davor, alleine zu sein, da ich ja zunächst alleine wohnte, schneller verflogen war, als ich gucken konnte. Jedes Wochenende gibt es etwas tolles zu tun, es gibt unglaublich viele tolle Angebote der vielen verschiedenen kulturellen Initiativen, der Sportvereine, oder der Stadt selbst. So war ich schon in sehr vielen Filmen, die das Goethe-Institut kostenlos gezeigt hat, habe Fahrradtouren am Toten Meer gemacht und so weiter.

Und mit den vielen Leuten, die ich hier kennengelernt habe, habe ich schon ein paar kleinere, schöne und historische Städte besucht, wie Jerash oder Madaba. Jordanien ist ein unfassbar schönes Land, mit einer beeindruckenden Natur, die so  ganz anders als in Nordeuropa ist. Petra, die berühmte antike Felsenstadt, die Teil des Unesco-Welterbes ist, steht definitiv noch auf meiner Liste, genauso wie ein Kamelritt durch die Wüste mit echten Beduinen.

Sogar eine richtige arabische Hochzeit durfte ich schon besuchen, da ein Freund mich dorthin mitgenommen hat. Das war wirklich ein tolles Erlebnis!

Leider ist die Stadt auch unfassbar teuer, womit tolle Wochenendaktivitäten, aber auch alltägliche Sachen oft die eigenen Ersparnisse belasten. Aber natürlich möchte man auf diese Dinge auch nicht verzichten und viel erleben!

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